AKTION UNVERPACKT - mit Kreativität gegen Verpackungsmüll und Getränkedosen


Das Projekt "AKTION UNVERPACKT" ist ein kreativer Dauerbrenner gegen Verpackungsmüll und Getränkedosen und blickt bereits auf viele erfolgreiche Aktivitäten zurück. Hier finden jedes Jahr - in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung - verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen statt. Die bisherigen Aktivitäten reichen von der Erstellung von Einkaufsführern für den müllarmen Einkauf bis hin zur dosen- und müllfreien "Overdose-Party" mit 2.000 Schülerinnen und Schülern. So wundert es nicht, dass wir viele Anfragen bekommen und gebeten wurden, die AKTION UNVERPACKT auf dem Citizen Environmental Congress in Kumamoto (27.-30.10.02) vorzustellen und für die amerikanische Zeitschrift "Hole Earth" ein ausführliches Interview für die Titelstory zu geben. Ein weiterer Ansporn, sie in diesem und den kommenden Jahren mit bewährten und neuen Ideen weiterzuführen.

Eine Plastikente, Bettwäsche und ein rostiges Fahrrad

 

Zu einer Kanufahrt der besonderen Art hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) in Heidelberg am vergangenen Sonntag geladen. Unterstützt vom Veranstalter 100% Kanu + Bike, der die Boote stellte, konnten Heidelberger Bürgerinnen und Bürger an einer kostenlosen Paddeltour teilnehmen. Sie haben gemeinsam mit der Umweltgruppe geholfen, den Fluss von Unrat zu befreien. Die Neckar-Putzaktion war eine von vielen Aktivitäten im Rahmen des Projektes Aktion unverpackt, das der BUND Heidelberg seit mehreren Jahren gemeinsam mit dem Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung durchführt.
BUND-Geschäftsführerin Brigitte Heinz: Wir haben die Aktion nun zum vierten Mal durchgeführt und mussten diesmal deutlich weniger Müll einsammeln. Ein schöner Erfolg für die jährliche Säuberungsaktion. Trotzdem haben die 20 Helferinnen und Helfer noch zwei Kubikmeter Treibgut aus den Uferböschungen geholt: Flaschen, alte Schiffsseile, Plastikmüll und sogar eine Zudecke und ein altes Fahrrad. Mit den Kanus waren auch schwer zugängliche Uferabschnitte erreichbar. "Der BUND hilft mit der Aktion nicht nur dem Ökosystem Fluss, sondern auch dem Image Heidelbergs, denn schließlich ist der Neckar auch ein Aushängeschild für Heidelberg und wird von zahlreichen Touristen mit Schiffen befahren", so Heinz.
Thomas Dierolf von 100% Kanu + Bike unterstützt die Aktion mit viel Engagement. Wir veranstalten regelmäßig Kanutouren auf dem Neckar. Immer wieder ärgern wir uns über den Müll, der sich am Ufer sammelt. Die gemeinsame Aktion mit dem BUND habe dazu beigetragen, die Situation wesentlich zu verbessern und sei wieder ein voller Erfolg gewesen. Es ist daher abgemacht, dass die Paddeltour für eine saubere Umwelt auch im nächsten Herbst wieder stattfinden soll.

Wir bedanken uns bei Kanu&Bike für die Unterstützung.

Hexentanz auf dem Müllberg
Anti-Müllaktion zur Walpurgisnacht auf dem Heiligenberg

Im Rahmen unserer AKTION UNVERPACKT – unseres kreativen Dauerbrenners gegen Verpackungsmüll und Getränkedosen – fanden auch in diesem Jahr wieder verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen statt. Im Frühjahr haben wir uns wieder die Thingstätte auf dem Heiligenberg vorgenommen. Seit Jahren wird auf dem Heiligenberg in der Nacht zum 1. Mai die Walpurgisnacht gefeiert. Die nicht organisierte und von Seiten der Stadt nicht genehmigte Feier hat inzwischen Kultstatus erreicht. Bis zu 14.000 Jugendliche pilgerten in den letzten Jahren auf den Berg. Die Atmosphäre auf der Thingstätte ist jedes Mal überwältigend, ebenso allerdings die unvorstellbaren Mengen Müll, die den Heiligenberg vor unserem „Eingreifen“ am 1. Mai immer zierten. Denn da es keinen Veranstalter gibt, gibt es auch keine Infrastruktur wie Mülltonnen oder Toiletten. Wir haben deshalb vor vier Jahren ein umfassendes Anti-Müll-Konzept erarbeitet und uns pfiffige Aktionen einfallen lassen, um das Bewusstsein der Leute zu schärfen und das Müllproblem zu reduzieren.
Unser Ziel war es, zu verhindern, dass der Wald und die Zuwege so verdreckt werden wie in den Jahren davor und dass der Unrat auf die Thingstätte selbst begrenzt bleibt. Die Herausforderung, der wir uns da erneut gestellt haben, war enorm groß. Nicht nur angesichts der vielen Menschen in Partylaune, sondern auch, weil es auf den Zugangswegen und in der Thingstätte keine Beleuchtung gibt. Wir setzten deshalb auf viel Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld und konkrete Informationen vor Ort. Mit großem Arbeitseinsatz haben wir Möglichkeiten zur „ordentlichen“ Müllentsorgung geschaffen und mit einer Plakataktion und großen Transparenten an die Vernunft der Feiernden appelliert. Die mit Baustellenlampen beleuchteten Müllstationen, Hinweisschilder und Transparente „Mülltonnen benutzen – sonst Wald putzen“ wurden strategisch so platziert, dass sie niemand übersehen konnte. Insgesamt haben wir in und um die Thingstätte und entlang der Zugangswege 100 große Mülltonnen und zwei Container aufgestellt.
Unser Konzept und die Aktionen waren wieder ein voller Erfolg: Die Mülltonnen wurden gut angenommen und entlang der Zugangswege und im Bereich der Thingstätte lag im Vergleich zu früheren Jahren, als der BUND hier noch keine Aktionen machte, deutlich weniger Müll. Seit Inkrafttreten der Verpackungsverordnung liegen außerdem kaum noch Getränkedosen herum und der Anteil der Mehrweg-Pfandflaschen ist relativ hoch (2002 waren noch 90 % des Abfalls Einweg-Getränkeverpackungen). In diesem Jahr haben die „Heidelberger Dienste“ das Einsammeln des Mülls im Bereich der Thingstätte übernommen, wofür die BUND-Müllsammlerinnen und Müllsammler der letzten Jahre sehr dankbar waren.


Verpackungsverordnung

Offensichtlich hat auch die Verpackungsverordnung Wirkung gezeigt. Auf der Thingstätte und im Wald waren kaum noch Dosen zu finden. Der Anreiz das Pfand wieder zurück zu bekommen war offensichtlich so groß, dass die meisten Besucher ihre Dosen wieder mit nach Hause genommen haben.

Seit Herbst 2003 gibt es einheitliche Rücknahmeregelungen für alle Einwegverpackungen. Für zukünftige Veranstaltungen erhoffen wir uns daher einen weiteren Rückgang der Müllflut.

Lob für den BUND

Wir freuen uns über das große Lob von allen Seiten und möchten es an alle unsere Helferinnen und Helfer weitergeben!

Chronologie der Verpackungsverordnung


1991: Der Umweltminister der CDU/FDP-Regierung, Klaus Töpfer, erarbeitet als erste Maßnahme zur Eindämmung der Flut von Verpackungsmüll die Verpackungsverordnung. Inhalt: Alle Einwegverpackungen für Getränke werden mit einem Pflichtpfand von 0,50 DM (25 Ct) pro Verpackung belegt. Ab 1,5 l Füllvolumen werden 1,- DM (50 Ct) fällig. Ausnahme: Solange die im Jahre 1991 festgestellte Mehrwegquote von 72% nicht dauerhaft unterschritten wird, wird das Pflichtpfand ausgesetzt.

1998: Novellierung der Verordnung unter Umweltministerin Merkel, CDU. Einbezug des Milchschlauchs als den Mehrwegverpackungen gleichgestellte Einwegpackung.

1999: Für das Jahr 1997 wird erstmals eine deutliche Unterschreitung der Mehrwegquote für die Getränkesparten Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke festgestellt.

2000: Die Daten werden in einer Nachprüfung bestätigt und für 1998 wird ein weiteres Absinken der Quote festgestellt. Umweltminister Trittin, Grüne, schlägt daraufhin ein Abgabenmodell für alle Getränke-Einwegverpackungen vor. Die Verbände von Industrie (BDI) und Handel (DIHT) lehnen ab. Am 25.Oktober einigen sich jedoch die Länder-Umweltminister in einem “Kamingespräch” auf eine Pfandregelung für ökologisch nachteilige Getränkeverpackungen.

2001: Die Rot/Grüne Bundesregierung legt am 18. Mai einen entsprechenden Verordnungsentwurf vor und berücksichtigt dabei mit der Herausnahme der Kartonverpackungen aus der Pflichtpfandregelung die Ergebnisse der Ökobilanz des Umweltbundesamtes. Am 19. Juli 2001 führt parteipolitisches Kalkül einzelner Länder trotz der Einigung vom 25.10.2000 zur Ablehnung der Verordnung im Bundesrat. Gleichzeitig werden von der Wirtschaft zahlreiche Klagen gegen die Feststellung der Mehrwegquoten erhoben, die alle, bis auf eine erstinstanzliche Entscheidung in Nordrhein-Westfalen, abgelehnt werden.

2002: Am 20. März beschließlt die Bundesregierung die Veröffentlichung der festgestellten Quoten für 1997/98. Damit tritt die Verpackungsverordnung für die oben genannten Getränke 9 Monate später zum 1. Januar 2003 in Kraft. Mehr als 150 Klagen werden dagegen eingereicht und allesamt abgelehnt. Trotzdem werden von der Wirtschaft keine Vorkehrungen zur drohenden Pfandeinführung getroffen. Die Mehrwegquote fiel 1999 auf 68,3 % und 2000 auf 63,8 %.

2003: Zum 1. Januar wird das bereits 1991 mehrheitlich beschlossene Pflichtpfand für Einwegverpackungen für Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke eingeführt. Das prophezeite Chaos bleibt aus. In den ersten Wochen des neuen Jahres steigt der Absatz von Getränken in Mehrwegflaschen wieder deutlich an! Jetzt haben es die Länder eilig. Schnell will man das bereits im Oktober 2000 vereinbarte Pflichtpfand für alle Getränkesparten einführen. Und wie gehtís weiter