Zur Rettung des artenreichsten Gebiets unserer Erde fordert der BUND Heidelberg die Unterstützung der FDP
Heidelberg, 18.10.2011. Die international geschätzte Yasuní-ITT-Initiative zur Rettung des artenreichsten Gebiets unseres Planeten droht wegen der Blockadehaltung des deutschen Entwicklungshilfeministers und Vorstandsmitglied der FDP Heidelberg Dirk Niebel zu scheitern. Der BUND Heidelberg forderte daher an diesem Wochenende in mehreren Aktionen die FDP zu einer Unterstützung der Initiative auf.
Der Yasuní-Nationalpark liegt in Ecuador. Auf einer Fläche, die etwa so groß ist wie ein Viertel Baden-Württembergs, befinden sich dort mehr Pflanzenarten als in USA, Mexiko und Canada zusammen, die nun allerdings durch die Ölindustrie bedroht werden. Grund ist das Ölvorkommen Ishpingo-Tibutini-Tambococha (ITT), welches mit einem Wert von etwa 7 Milliarden Dollar unter dem Nationalpark und UN-Biosphärenreservat liegt. Ecuador startete deshalb 2007 eine Initiative, die den Erhalt des Nationalparks und der gleichzeitigen Entwicklungshilfe Ecuadors zum Ziel hat, die Yasuní-ITT-Initiative. Sie beinhaltet, dass internationale Geberländer in die Hälfte des Ölwertes in einen Fond einbezahlen, der Ecuador unter anderem zu einer erneuerbaren Energieversorgung verhelfen soll.
Trotz parteiübergreifender und internationaler Zustimmung blockiert der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel die Initiative mit dem Verweis auf den REDD-Mechanismus (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation), der einen Schutz durch die Nichtabholzung des Regenwaldes honoriert. Allerdings würden die Gelder für Ecuador aus diesem Mechanismus in keiner Relation zu dem Wert des Öls unter dem Nationalpark stehen. Da die Ölförderung wieder den Klimawandel beschleunigt, ebenso wie eine Zerstörung des Waldes meint Philipp Sommer, vom BUND Heidelberg „Der Klimawandel ist ein globalisiertes Problem, das international unter Beteiligung der Industriestaaten bekämpft werden muss. Dirk Niebel darf eine solch große Aufgabe nicht alleine an ein Entwicklungsland wie Ecuador delegieren und sich so der Verantwortung entziehen.“ Er solle daher aufhören „russisch Roulette“ mit dem Naturwelterbe der Menschheit zu spielen.
Der BUND Heidelberg forderte daher unter anderem durch Aktionen beim Bezirksparteitag der FDP Kurpfalz vergangenen Freitag Dirk Niebel und die FDP zum Beitritt der Initiative auf, allerdings ohne dass sich diese bis jetzt dadurch in ihrer Meinung beeinflussen ließen. Auch eine Bitte um ein Gespräch mit Herrn Niebel bleibt bis heute ungehört und unbeantwortet.
Hilfe für den Yasunì-Nationalpark
Die Euro-Krise und der Arabische Frühling haben ein Problem, das bis jetzt nicht so viel Beachtung bekommen hat. Die Rede ist von dem nachlassenden Interesse der großen Medien für die Umweltthematik. Dieses mangelnde Interesse in der Öffentlichkeit macht sich Dirk Niebel, der Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Heidelberg und Entwicklungsminister Deutschlands, zu Nutze.
Die Rede ist hier von dem Yasuní-Nationalpark in Ecuador, Südamerika. Unter dem artenreichsten Gebiet unseres Planeten wurde ein Erdölvorkommen (genannt ITT) von 850 Mio. Barrel, insgesamt also einem Wert von ca. 7,2 Mrd. Dollar, entdeckt, das die Ölindustrie natürlich anzapfen will. Die Folgen einer solchen Ölgewinnung sind weitreichend bekannt in Form von Ölseen, verschmutzten und zerstörten Regenwäldern und erhöhten Krebsraten. Außerdem sind häufig Korruption und soziale Missstände die Folge von Ölförderung in Entwicklungsländern.
Im Yasuní-Nationalpark leben über 1.000 verschiedene Amphibien-, Reptilien, Vogel- und Säugetierarten; der Park beinhaltet auf einer Millionen Hektar 4.000 Pflanzenarten, das sind mehr als Nordmexiko, USA und Kanada zusammen. Außerdem leben 2 Indianerstämme in diesem Gebiet, die sich bewusst von der Zivilisation zurückgezogen haben und so auf brutalste Weise wieder in Kontakt treten.
Der Ecuadorianische Präsident Rafael Correa leitete daher 2007 eine Initiative, die Yasuní-ITT-Initiative, ein, die zum Zweck den Erhalt dieses Nationalparks hat. Da Ecuador ein Entwicklungsland ist, das auf die Gelder aus dem Ölvorkommen angewiesen ist, beinhaltet diese Initiative, dass internationale Geldgeber die Hälfte des Ölvorkommens, also ca. 3,6 Mrd. Dollar, über 13 Jahre hinweg in einen von der UN überwachten Fond einbezahlen. Die andere Hälfte würde die ecuadorianische Regierung übernehmen. Im Gegenzug zu den nationalen Hilfen würden keine Ölfördergenehmigungen vergeben werden und der Atmosphäre dadurch ca. 407 Mio. Tonnen CO2 erspart bleiben. Die Mittel des Fonds würden außerdem dafür genutzt werden, soziale Projekte und erneuerbare Energien in Ecuador zu fördern.
Das Projekt hat bis heute großes nationales Interesse, besonders Deutschland setzte sich unter der großen Koalition dafür ein und bewilligte eine jährliche Zahlung von 50 Mio. Dollar. 2009 wurde das Ministerium aber schließlich vom FDP-Abgeordneten Dirk Niebel verwaltet. Ein Schwerpunkt von ihm ist die Wirtschaftlichkeit dieses Ministeriums, Entwicklungshilfe muss sich seiner Ansicht nach für deutsche Unternehmen lohnen und so hat er diesem hoffnungsvollen Projekt eine Absage erteilt, die bis heute anhält. Dabei benutzt er, dass dieses Thema mittlerweile unter den andauernden Krisen außer bei der Zeitung TAZ wenig Beachtung findet. In einem Kommentar spielt er dabei auf das REDD-Programm der UN an, die nur den Schutz der Regenwälder beinhaltet und Ecuador ca. 15-20 Mio. Dollar einspielen würde. Dass Ecuador im Gegenzug auf 7,2 Mrd. Dollar verzichten müsste, bleibt dabei unberücksichtigt. Mittlerweile macht selbst der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Druck auf die deutsche Regierung.
Der BUND Heidelberg hat sich daher in Kooperation mit anderen Organisationen wie „Rettet den Regenwald e.V.“ zusammengetan um Dirk Niebel zu einer Zustimmung zu bewegen. Sie können uns dabei unterstützen, indem sie auf dieses Problem durch ihre Unterschrift aufmerksam machen. Außerdem wurden Flyer und Info-Blätter mit weiterführenden Informationen erstellt, die es ermöglichen sollten, wieder Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu leiten. Natürlich freuen wir uns, wenn Sie mit uns in Kontakt treten, denn die Zeit drängt. Sollte Ecuador bis Ende dieses Jahres keine Zusagen haben, ist es gezwungen die Ölförderrechte zu vergeben.