NEIN zum Eurasian Sport Center auf wertvollem Ackerland!

Ausführliche BUND-Position als PDF


Der BUND Heidelberg spricht sich aus folgenden Gründen gegen den Bau eines Eurasian Sport Centers am Standort "Stückerweg" in Heidelbergs Westen aus:

  1. Das Vorhaben widerspricht allen regionalen Planungen
    Ein solches Bauvorhaben an der ausgewählten Stelle widerspricht sowohl dem Landesentwick-lungsplan, dem Raumordnungsplan, als auch dem Regionalplan und dem Flächennutzungsplan. Die in Aussicht gestellte Lösung, dass man diese Pläne ändern müsse, um das Vorhaben zu ermöglichen, verkennt die Bedeutung von regionalen Planungen für eine sinnvolle und nachhaltige Siedlungsentwicklung. Die Festlegungen in diesen Planwerken wurden getroffen, weil wir keinen Platz mehr für beliebigen „Wildwuchs“ in unserem dicht besiedelten Land haben.
    Die Fläche ist im Regionalplan als „Regionaler Grünzug“ ausgewiesen. Ein regionaler Grünzug ist keine grün angemalte Fläche, die man beliebig verschieben oder verkleinern oder zerschneiden kann. Seine Ausweisung erfolgte aus Gründen der Lufthygiene, der Erholungswirkung und der Erhaltung der Landschaft und der Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

  2. Im Sinne der Daseinsvorsorge müssen die Flächen für die Landwirtschaft erhalten bleiben.
    Dem Bau des Asiatischen Sportcenters sollen 15 Hektar beste Ackerböden mit höchsten Bo-denpunktwerten zum Opfer fallen. Ein Ja zu diesem Projekt ist somit auch eine Entscheidung gegen die regionale Landwirtschaft. Der Regionalplan weist die betroffenen Flächen als schutz-bedürftigen Bereich für die Landwirtschaft aus. Schon heute wächst ein großer Teil unserer Le-bens- und Futtermittel außerhalb Deutschlands, da uns u.a. im eigenen Land nicht mehr genug Flächen zur Verfügung stehen. Wer kann uns garantieren, dass wir nicht in Notzeiten geraten, in denen wir diese Ackerflächen dringend brauchen werden?

  3. Ein Naherholungsraum mit Naturerlebniswert wird zerstört.
    Entlang der alten Bahnlinie im Pfaffengrund und in Eppelheim befindet sich eine Fläche, die als Biotop nach § 32 Naturschutzgesetz geschützt ist. Auch wenn die Bebauung nicht bis an diese Fläche heranreichen sollte, wird das Trainingscenter mit Wohnheimen, Hotels, Freiplätzen, mehreren Hallen, Schwimm- und Schießbahnen samt Parkflächen eine negative Auswirkung auf die Lebenswelt, die sich dort eingestellt hat, ausüben. Es wird oft verkannt, dass Artenvielfalt auch eine wichtige Grundlage für das Überleben der Menschen ist. Somit stellt das Projekt einen weiteren Baustein für die schleichende Zerstörung unserer eigenen, natürlichen Lebensgrundlage dar.

  4. Der Flächenverbrauch muss ein Ende haben.
    Jeden Tag verschwinden in Baden-Württemberg 8,8 Hektar Wiesen, Wald und Ackerland unter Beton und Asphalt. Das geplante Leistungs- und Trainingszentrum entspricht demnach fast zwei zusätzlichen „Tagesrationen“. Dass dieser Trend nicht so weitergehen kann, haben nicht nur die Naturschutzverbände erkannt. Auch Landesregierungen haben sich die Reduzierung des Flächenverbrauchs auf die Fahnen geschrieben, und die Bundesregierung will den Flächenverbrauch bis 2020 bundesweit auf 30 ha pro Tag begrenzen. Trotzdem geht der Verbrauch ungebremst weiter.
    Bei mehr als 710 Hektar Konversionsflächen in der Metropolregion, die in den nächsten vier Jahren von militärischer Nutzung freigestellt werden, lassen sich sicherlich 15 Hektar finden, die für eine Nachnutzung als sportliches Trainingszentrum geeignet sind, und deren Umbau nicht so eklatant gegen ökologische Belange verstößt wie das Vorhaben an dieser Stelle.

  5. Eine unverzichtbare Frischluftschneise wird verbaut
    Im Gutachten zum Stadtklima, das für die Stadt Heidelberg im Jahr 1995 erstellt wurde, und im Klimagutachten des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim aus dem Jahr 2002 wird dieses Areal eindeutig als bedeutend für die Frischluftzufuhr der Stadt Heidelberg und der Region ausgewiesen. Als Planungsempfehlung bzw. Entwicklungsziel wird der großräumige Erhalt genannt. Der Bau eines Trainingscenters mit mehreren Hallenkörpern, Wohnkomplexen und Hotel entspricht sicher nicht diesen planerischen Vorgaben.

  6. Die Abgas- und Lärmbelastungen sind heute schon hoch
    Im Klimagutachten des Nachbarschaftsverbandes Heidelberg-Mannheim wurden die Freiflächen zwischen Pfaffengrund und Kirchheim als belastete regionale Luftleitbahn eingestuft wegen der im Luftreinhalteplan festgestellten hohen Immissionsbelastung insbesondere durch die BAB 5. Eine zusätzliche Belastung durch ein weiter erhöhtes Verkehrsaufkommen ist im Sinne einer Gesundheitsvorsorge nicht vertretbar.
    Ruhe ist Lebensqualität. Schon jetzt sind viele Bewohner Eppelheims und Pfaffengrunds durch Straßenlärm übermäßig belastet und in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Zusätzlicher Lärm von den überwiegend mit dem Pkw an- und wieder abreisenden 300 bzw. bis zu „4.200 aktiven Sportlern und 1.600 Trainern“ (lt. RNZ vom 27.5.2011) ist den Bewohnern von Pfaffengrund und Eppelheim nicht zuzumuten. Auch im Pleikartsförster Hof und den angrenzenden Neubaugebieten Kirchheims würde die heute schon hohe Lärmbelastung weiter auf ein unerträgliches Maß steigen.

Fazit: Wir fordern eine nüchterne, vorausschauende Prüfung des Vorhabens unter Einbezug der regionalen Pläne und Ziele
Als Organisation, die sich seit nunmehr 35 Jahren mit hohem Einsatz für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt in und um Heidelberg einsetzt, erwarten wir von allen politisch Verantwortlichen, dass sie bei der Diskussion eines Projektes dieser Größenordnung besonders sorgfältig und vorausschauend vorgehen und die Bürgerinnen und Bürger gemäß den Leitlinien des „Heidelberger Wegs der Bürgerbeteiligung“ einbeziehen.
In diesem Zusammenhang möchten wir festhalten, dass das geplante Trainingszentrum des Asiatischen Olympischen Komitees kein uneigennütziges Geschenk an die Sporttreibenden der Region ist, sondern eine wirtschaftliche Investition für den kommerziellen professionellen sportlichen Trainingsbetrieb ausschließlich für die asiatischen Sportler. Dies unterstreicht die Standortwahl, die allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen wurde: Eppelheim stellt ein billiges Grundstück an der Autobahn zur Verfügung, Heidelberg soll als Imageträger und Bereit-steller der gesamten notwendigen Service-Infrastruktur wie Universität, Kliniken und Olympia-stützpunkt herhalten. Und auch die Erschließung des gesamten Areals inklusive Energieversorgung, Wasserver- und -entsorgung sowie die Zu- und Abfahrten müssen zwingend über Heidelberger Gemarkung erfolgen.