BUND Heidelberg
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Kinder brauchen Naturerfahrungsräume in der Stadt: Auch in Heidelberg!

Naturerfahrungsräume

Kinder brauchen Natur, haben in den Städten von heute jedoch immer weniger Zugang zu ihr. Viel zu häufig halten Kinder sich in Räumen oder geregelten Bereichen auf, statt draußen selbstbestimmt und unbeobachtet nach eigenen Vorstellungen spielen zu können. Ein Naturerfahrungsraum (NER) gibt ihnen diese Möglichkeit. Auf ihm können Kinder Natur wohnungsnah erleben und sich im Umgang mit ihr erproben, Kraft und Geschicklichkeit erlangen, sich in der kreativen Lösung von Konflikten und Problemen zu üben, Selbstvertrauen und Risikokompetenz erlangen. Abgesehen von alledem macht es junge Menschen einfach glücklich, in der Natur und draußen sein zu können. Für ihre gesunde körperliche, geistige und seelische Entwicklung ist es unabdingbar. Es ist wichtiger denn je, Stadtkindern naturbelassene Areale für ihr Draußenspiel zu überlassen – auch in Heidelberg, das sich selbst als kinderfreundliche und nachhaltige Stadt versteht.

Solche Räume sind aber selten, vor allem in einer Stadt, die so wenig innerstädtisches Grün aufzuweisen hat, wie Heidelberg. Durch den Abzug der amerikanischen Streitkräfte gibt es in Heidelberg jedoch so viel neu beplanbare Areale, dass wir meinen, da sollte auch etwas für die Kinder abfallen. Ein Gebiet, das aus Sicht des BUND besonders gut geeignet ist, ist der westliche Teil des neuen Parks in der Südstadt. In der Hoffnung, dass sich eine breite Mehrheit des Heidelberger Gemeinderats für Kinder und Natur in der Stadt einsetzen will, hat der BUND Heidelberg eine Kurzbeschreibung eines Naturerfahrungsraums geschrieben, den Sie hier herunterladen können. Die Idee basiert auf der Veröffentlichung des Bundesamtes für den Naturschutz (BfN) „Naturerfahrungsräume in der Großstadt“.

Bundesweit setzt sich der Arbeitskreis städtische Naturerfahrungsräume für die Idee ein. Wer in seiner Stadt etwas für Kinder und Natur machen will, kann sich direkt an den Arbeitskreis wenden.

Download des Konzepts für den Naturerfahrungsraum in der Heidelberger Südstadt

Südstadt mit Charakter

Spätestens bis Ende 2015 wird die US Army ihre Liegenschaften auf Heidelberger Gemarkung (Mark Twain Village mit den Campbell Barracks, Patton Barracks, Airfield, Patrick Henry Village) aufgegeben haben – insgesamt etwa 180 Hektar. Die Flächen sind dann Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und werden der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zur Wahrung der Staatsinteressen übergeben. Der für die zukünftige Entwicklung der Flächen ins Leben gerufene Entwicklungsbeirat hat im März 2012 einen Leitlinienentwurf zur Konversion dieser Flächen vorgestellt, der zwei Monate später vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet wurde. Außerdem wurden eine Bestandsaufnahme der Flächen in Form „Vorbereitender Untersuchungen“ nach Baugesetzbuch sowie Befahrungen der Liegenschaften mit interessierten Bürgern beschlossen. Ab Herbst 2012 soll dann die Heidelberger Bürgerschaft an der Erarbeitung konkreter Nutzungskonzepte beteiligt werden.

Das Ziel der Stadt, so war in der RNZ vom 23. April 2012 zu lesen, ist „eine Planung, die bei ihrer konkreten Umsetzung … nicht mit Widerständen zu rechnen habe.“ Damit dies gelingt, möchte man auf eine möglichst gute Einbindung der Bürger und der BIMA achten. Planungsvorgaben gebe es bislang nicht, vielmehr gehe es darum, die „Talente des Standorts“ kennenzulernen – so Baubürgermeister Stadel in diesem Artikel.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Konversionsflächen der US Army für externe Akteure ein weißer Fleck auf dem Heidelberger Stadtplan. Was jedoch bereits bei einer Umgehung von Mark Twain Village, den Campbell Barracks und den Patton Barracks auffällt, ist ein hoher Anteil unbebauter Flächen, die allerdings zum Teil versiegelt sind. Aufgrund ihrer Strukturen und der attraktiven innerstädtischen Lage haben diese drei Areale ein enormes Entwicklungspotenzial. Sie bieten der Stadt Heidelberg die Chance, stadtplanerische und stadtökologische Ansprüche einzulösen, etwa die Schaffung lebenswerter Stadtquartiere mit hohem Grünflächenanteil in verkehrsgünstiger Lage.

Der BUND hat nicht den Anspruch, ein vollständiges Stadtentwicklungskonzept zu erarbeiten. Ergänzungen aus anderen Perspektiven sind sicherlich notwendig, unser Konzept zu den Freiflächen sollten dabei aber als Grundlage betrachtet werden. Wir möchten Ideen und schlüssige Argumente für die gezielte Entwicklung eines Freiflächenkonzepts liefern. Unser Konzept soll die oben angesprochenen „Freiflächentalente“ der drei Standorte aufzeigen. Freiflächen sind für uns dabei Kontrapunkte zur Bebauung: „Sie sind die ‚Spielräume‘ nicht nur für die Kinder einer Stadt, sondern auch für die vielfältigen Aktivitäten der Menschen, die nicht vorhersagbar sind und sich deshalb einer Planung widersetzen.“ Wir würden uns freuen, wenn unser Konzept auch im Rahmen der IBA aufgegriffen würde.

Diskussionspapier Stadtentwicklung

Betrachtet man die ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung unserer Erde auf-merksam, so stellt man an vielen Punkten fest: Die Krisen nehmen zu. Drei dieser Probleme möchten wir hier exemplarisch nennen:

  • Der Energie- und Ressourcenverbrauch nimmt immer stärker zu. Ressourcenknapp-heit, Konkurrenz unter den Völkern verschiedener Länder und Erdteile und der Klimawandel sind nur einige der gefährlichen Folgen.
  • Die Artenvielfalt unserer Erde geht dramatisch zurück – unter anderem durch Touris-mus und Rohstoffgewinnung. Ökosysteme werden destabilisiert und drohen zu kollabieren.
  • Das Anspruchsdenken des reichen Drittels der Erdbevölkerung, zu dem wir gehören, und das Wachstum der Erdbevölkerung verstärken beide oben genannten Probleme.

Wenn die Menschen des 21. Jahrhunderts die Erde für sich bewohnbar erhalten möchten, müssen sie all diese Probleme lösen. In vielen Punkten drängt die Zeit: Eine globale Kehrt-wende im Klimaschutz ist laut dem Weltklimarat bis zum Jahr 2015 dringend notwendig, wenn wir es schaffen wollen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Diese Begrenzung ist u. a. auch deshalb wichtig, damit die Erde durch die höhere Temperatur nicht in unbekanntem Ausmaß selber Klimagase freisetzt. Dazu kann es auf verschiedenen Wegen kommen, zum Beispiel durch das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien.
Höchste Zeit also, auf allen Ebenen alte Denkmuster aufzubrechen, um die genannten Prob-leme zu bewältigen. Die Stadt Heidelberg hat sich schon früh dieser Aufgabe gestellt und Konzepte für eine ökologische Stadtentwicklung erarbeitet. Dazu gehören nicht nur die Stadtentwicklungspläne für die Jahre 2010 und 2015, sondern auch das Modell Räumliche Ordnung, das Freiflächenstrukturkonzept, das Siedlungsstrukturkonzept und der Heidelberger Nachhaltigkeitsbericht 2007. Alle miteinander sind hervorragende Arbeiten, die mit ihrer Weitsicht für einen guten Start ins 21. Jahrhundert gesorgt haben.
Ökologisch sinnvolle Pläne sind eine wichtige Voraussetzung für eine gute Stadtpolitik, rei-chen allerdings oftmals nicht aus, um das Erdachte auch im Alltagsgeschäft umzusetzen. Widerstreitende Interessen, ökonomische Zwänge, eine unklare oder der Umsetzung der Pläne entgegenstehende Rechtslage sowie konfligierende Partikularinteressen führen im konkreten Fall leider immer noch allzuoft zu Entscheidungen gegen Natur und Ressourcen-schonung.

Was kann und was will der BUND mit diesem Papier erreichen?
Der BUND Heidelberg möchte die Widersprüche zwischen unseren Ideen und unserem Tun aufzeigen. Er will aber auch, dass der rechtliche Rahmen für unser Tun oder Lassen konse-quent ausgeschöpft und ggf. so angepasst wird, das sich immer lebenswichtiger werdende gemeinschaftliche Interessen erfolgreich durchsetzen lassen. In diesem Sinne will der BUND Heidelberg alle Gemeinderäte, die Verwaltungsangestellten sowie sämtliche Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, keine kurzfristigen (vermeintlichen) Vorteile zur Maxime ihres Handelns zu machen. Quantitatives Wachstum ist weder für unsere Erde noch für unsere Stadt ein Modell mit Zukunft. Diese Erkenntnis sollten wir ernst nehmen, und jede politische Entscheidung muss sich daran messen lassen können.
Das vorliegende Diskussionspapier ist kein ökologisches Stadtentwicklungskonzept. Ein sol-ches gibt es in Heidelberg bereits zu großen Teilen und es wird laufend evaluiert und ver-bessert. Wir beschreiben hier vielmehr einen Teil der Problemfelder, bei denen wir Hand-lungsbedarf sehen. Dabei berücksichtigen wir auch die neue Situation Heidelbergs nach dem Abzugsbeschluss der amerikanischen Streitkräfte.
Unser Beitrag zur Stadtentwicklung steht in einer Reihe von Diskussionspapieren, die der BUND Heidelberg bereits veröffentlicht hat bzw. noch veröffentlichen möchte. Ein erstes Pa-pier dieser Art – zum Thema Naturschutz – händigten wir im Dezember 2009 dem Heidel-berger Gemeinderat, den städtischen Ämtern und auch Heidelberger Bürgerinnen und Bür-gern aus. Geplant sind weitere Arbeiten zum Thema Klimaschutz, bei dem wir auch zum Ausbau der erneuerbaren Energien Position beziehen werden, sowie zum in Heidelberg sehr kontrovers diskutierten Thema Verkehr. Beide Themenschwerpunkte sind im vorliegenden Diskussionspapier deshalb lediglich angerissen.

Diskussionspapier Naturschutz

Im Jahr 2007 erhielt Heidelberg von der Deutschen Umwelthilfe den Titel „Bundeshauptstadt im Naturschutz“. Mit dieser Auszeichnung wurden die bemerkenswerten Bemühungen der Stadt um ein naturschutzgerichtetes Handeln belohnt, wobei die vielen Einzelmaßnahmen, die in der Summe Grundlage für die Auszeichnung waren, oft gar nicht für jedermann augenfällig sind. Beispiele sind etwa der Ankauf von brachliegenden Gartengrundstücken und ihre Pflege im Sinne des Naturschutzes oder die Aktivitäten zur Biotopvernetzung.
Dem stehen einige neuere Entwicklungen, Maßnahmen und Zustände gegenüber, die der BUND im Sinne des Naturschutzes kritisch sieht. Wir sind der Meinung, dass die Stadt bei den in dieser Broschüre aufgelisteten Punkten tätig werden sollte, um des Titels „Naturschutzhauptstadt“ weiterhin würdig zu sein. Wir wollen der Leserin, dem Leser einige dieser Kritikpunkte nahebringen und hoffen, dass die Zuständigen bei ihren zukünftigen Entscheidungen den Naturschutzgedanken auch in diesem Sinne berücksichtigen.
Wir würden uns freuen, mit diesem Papier einen Beitrag zur Belebung der Naturschutz-Diskussion in Heidelberg leisten zu können. Der BUND steht gerne für Gespräche und Diskussionsrunden zur Verfügung

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