Papier - kein Umweltfreund

Papier gilt landläufig immer noch als umweltfreundlich. Zu Unrecht. Als es noch handwerklich angefertigt wurde, war es kostbar. Heute ist es zum Massen- und Wegwerfprodukt geworden und damit zum Problem für Natur und Umwelt: Die Papier-Abfallberge wachsen in gigantische Höhen, die Chlorbleiche des Zellstoffs ist extrem umweltschädigend.

Zur Rohstoffbeschaffung werden riesige Gebiete uralter, ehrwürdiger Wälder im Norden und vor Leben strotzende Nebel- und Regenwälder im Süden mit einem Handstreich zur Wüste abgeholzt. Aufgeforstet wird allenfalls mit Papierhölzern zu ödesten Plantagen.

Und wofür? Für blütenweißes Brief- und Klopapier, für überflüssige Verpackung und unerwünschte Hochglanz-Werbeprospekte? Welch ein Preis!

Es wird also höchste Zeit, Papier zu sparen, es vernünftig einzusetzen und auf Recyclingprodukte umzusteigen. Hierzu ein paar tipps: Kapieren ist besser als kopieren. Und wenn, dann auf Recyclingpapier. Seine Qualität ist längst besser als sein Ruf. Dasselbe gilt für Klopapier und Taschentücher. Es gibt verbesserte Produkte, die nicht mehr so rauh sind. Für Schreibzwecke zuhause, in der Schule, in der Uni, im Büro sollten Recyclinprodukte zum guten Ton gehören. Und: Reisekataloge kann man wieder zurückgeben und kostenlose Prospekte, die man sowieso nicht liest, sollte man links liegen lassen.

Literaturtipp
BUND-Heidelberg, Faltblatt: Papier von A-Z, Bezug: Gegen Voreinsendung von 1,50 € in Briefmarken an die BUND-Umweltberatung, Willy-Brandt-Platz 5, 69115 Heidelberg

Gibt es eine Alternative zu Recyclingpapier?

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt keine ökologische Alternative zum Recyclingpapier. Recyclingpapier ist unschlagbar, was den Wasser- und Energieverbrauch angeht, den es bei der Produktion benötigt, und vor allem ist der Rohstoffverbrauch viel geringer.

Papier aus Neuzellstoff benötigt große Mengen an Holz, das in der Regel aus den nordischen, borealen Wäldern unserer Erde oder aber aus den Tropen stammt. Beide Alternativen sind gleich bedenklich, denn die Ökosysteme, in denen dieses Holz wächst, sind sehr empfindlich. Durch die dort praktizierten großen Kahlschläge, aber auch durch vorsichtigeren Einschlag werden sie nachhaltig gestört und geschädigt. Oftmals stammt dieses Holz eben nicht aus forstwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen, sondern aus Raubbau an der Natur.

Nur wenige Prozent der Papierrohstoffe stammen aus Deutschland, und diese werden vorwiegend für das braune Papier (Packpapier, Karton ...) verwendet. Das oft genannte Argument, durch die Nutzung von Recyclingpapier würde unsere Holzwirtschaft geschädigt, ist somit nicht sehr gewichtig.

Viele Techniker von Firmen, die Kopiergeräte warten, behaupten, das Recyclingpapier würde Probleme machen und raten generell von der Nutzung dieses Papiers ab. Firmen, die Recyclingpapier verwenden, werden angesprochen, doch wieder Papier aus Neuzellstoff zu verwenden, um so die Geräte zu schonen. So wird Druck auf die Firma aufgebaut, und oftmals wird dort dann auf die ökologisch sinnvolle Alternative verzichtet. Hat zudem die Firma bereits einmal schlechte Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht, ist es sehr schwer, die Kolleginnen und Kollegen oder den Chef noch einmal zu überzeugen. Doch worauf muss man achten, will man diese schlechten Erfahrungen vermeiden? Wie kann man ein reibungslos funktionierendes ökologisches Büro aufbauen?

Wichtig ist es zu wissen, dass es unterschiedliche Papierqualitäten beim Recyclingpapier gibt. Ob das Papier staubt oder die Farbe vom Tintenstrahldrucker verläuft, hängt davon ab, wie glatt die Oberfläche gestrichen ist. Papier, das Sie in Geräten verwenden, sollte die Norm DIN 19309 erfüllen. Dieser Hinweis muss auf der Verpackung oder der Bestelliste Ihres Lieferanten zu finden sein. Dann gibt es aufgrund des Papiers keine technischen Probleme mehr. Sollte der Service, der für die Wartung Ihrer Geräte zuständig ist, das jedoch nicht glauben, so ist es ratsam sich nach einem anderen Geschäftspartner umzuschauen. Es gibt viele renommierte Betriebe, die für die Geräte, die sie betreuen, keine Probleme sehen, wenn diese Norm eingehalten wird.

Recyclingpapier gibt es übrigens für die verschiedensten Zwecke: Es gibt edles Geschäftspapier, Schmuckpapier, Papier in allen möglichen Farben und auch vollkommen weißes, gebleichtes Recyclingpapier, das problemlos auch für Druckvorlagen verwendet werden kann.

Zum Schluß möchten wir noch darauf hinweisen, dass die Nutzung von Recyclingpapier ein erster, wichtiger Schritt für eine ökologische Papierwirtschaft im Büro ist. Man kann aber auch noch mehr tun. Gerade moderne Maschinen ermöglichen es uns, recht einfach Papier zu sparen, indem wir das Papier doppelseitig bedrucken. Wenn bei Ihnen im Büro das Argument aufgetaucht ist, dass die Mehrkosten durch Recyclingpapier zu hoch wären, so kann man durch diese Papiersparmaßnahme das Geld wieder einsparen. Ein Blick auf die andere Seite der Welt, zu der Heidelberger Partnerstadt in Japan, Kumamoto, zeigt, dass die Rechnung aufgeht. Die Universität von Kumamoto hat im Jahr 1998 mit dem Wechsel zu einem anderen Papierhersteller auch 100%ig auf Recyclingpapier umgestellt. Um Geld zu sparen bemüht man sich dort das Papier, wo immer es geht, doppelseitig zu bedrucken.

Gefährliche Druckerfarbe?

Der Trend zu mehr Farbe in Zeitungen und anderen Druckerzeugnissen ist ungebrochen. Immer wieder stellt man fest, dass das, was bisher schwarzweiß seinen Dienst tat, neuerdings farbig ins Haus geflattert kommt. Aus ökologischer Sicht ist Farbdruck durchaus problematischer als Schwarzweißdruck.

Die Farbherstellung ist aufwendig und benötigt mehr Rohstoffe als die der schwarzen Farbe, die aus Ruß besteht. Auch wenn die Druckfarben für den Vierfarbdruck nicht mehr so große Gefahren aufweisen wie früher, als in ihnen Schwermetalle, wie Cadmium, verarbeitet wurden, so gibt es auch heute noch Probleme. Für den Vierfarbdruck werden neben Schwarz die Farben Blaugrün (Cyan), Purpur (Magenta) und Gelb (Yellow) verwendet. Außer diesen Pigmenten, die verantwortlich für den Farbton sind, sind in der Farbe Bindemittel und Harze, Wachse und Netzmittel enthalten. Diese können sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden. Die einen verwenden natürliche Harze und Öle, die anderen Erdölprodukte. Die Pigmente jedoch sind bei allen Druckfarbenherstellern gleich. Nur auf diese Weise erhält man genau definierte Farbtöne, mit denen man farbtreue Bilder drucken kann.

Die Pigmente bestehen aus komplizierten organisch-chemischen Verbindungen und enthalten auch Kupfer. Die Mengen an Papier, die man beim Anheizen eines Ofens benötigt, reichen aber nicht aus, um zu einer ernsthaften Belastung der Umwelt zu führen. Das gilt, selbst wenn das Papier ganz bunt ist.

Beim Recycling können die Farben auch Probleme machen. Bevor aus Altpapier wieder neues Papier hergestellt wird, werden in einem speziellen Verfahren (Deinking) die Farben herausgewaschen. Je fester die Farben an der Faser haften, desto aufwendiger wird der Deinkingprozess, d.h. mehr Energie und Hilfsstoffe müssen eingesetzt werden. Dennoch gehört auch farbiges Papier generell ins Altpapier.

Größere Probleme beim Papierrecycling bereiten hingegen versehentlich ins Altpapier geworfene Fremdstoffe.


Nicht ins Altpapier gehören:

  • Alle beschichteten Papiere, wie z.B. Milch- oder Saftkartons, gewachste Papiere oder Kohlepapier.
  • Gebrauchte Taschentücher, Küchenkrepp oder anderes mit Lebensmitteln verschmutztes Papier.
  • Zerknülltes Papier, da man nicht erkennen kann, ob es verunreinigt ist.
  • Kleingerissenes braunes Papier oder Karton. Die braune Farbe dieser Papiersorte stört beim Deinking. Geben Sie Kartons deshalb nur gefaltet ins Altpapier, da sie dann in der Sortieranlage besser aussortiert und getrennt vom restlichen Altpapier wiederverwertet werden können.
  • Papier mit größeren Mengen Klebstoff. Der Klebstoff ist beim Recycling sehr störend.
  • Kassenbons, die auf Thermopapier gedruckt werden. Das sind heutzutage fast alle. Sie enthalten kleine Mengen Bisphenol A, ein Hormongift. Dieses wird beim Recycling nicht vollständig entfernt.


Der umweltfreundliche Schreibtisch

Der Schüler hat ihn und die Studentin, der Büroangestellte und die Chefin, die Lehrerin und der Architekt, fast jeder hat ihn - den Schreibtisch. Darauf sammeln sich alle möglichen und vor allem unmöglichen Utensilien: Alleskleber, Filzstifte, Textmarker und Tipp-ex mit giftigen Lösemitteln. Sie verursachen Kopfschmerzen und Augenbrennen. Dazu jede Menge Plastiksachen und Wegwerfzeugs. Dies bereitet Probleme bei der Abfallentsorgung. Das blütenweiße Papier bei der Herstellung.

Das läßt sich ändern:

Recyclingpapier ist Spitze in der Umweltschonung, das zarte Grau reine Gewöhnungssache. Lösemittelfreie Kleber und Schreibutensilien aus Holz oder Metall mit Tinten auf Wasserbasis oder mit Minen machen nicht krank. Gute Beispiele: Kolbenfüller, Bleistift, Trockenmarker, Wachsmalstifte. Ordnungsmittel aus Pappe oder Holz sind unbedenklich. Einmalkulis und ähnliches sind passé - wegen des riesigen Müllberges. Fast alles ist in den Geschäften zu bekommen. Man muß nur etwas suchen. Die Nachfrage erhöht das Angebot. Alsdann.



Klebstoffe

Ob im Kindergarten, Haushalt oder Büro: Jeder klebt. Dabei enthielten lange Zeit die gängigen Kleber organische Lösemittel, die die Schleimhäute reizen, die Sinne benebeln, Leber, Niere, Nerven und Gehirn schädigen können, oder, regelmäßig inhaliert, süchtig machen. Viele Hersteller haben inzwischen reagiert und bieten heute auch lösemittelfreie Kleber an. Sie reichen für die meisten Zwecke vollkommen aus.

Allerdings ist nicht jeder Papier- oder Alleskleber für einen bestimmten Zweck gleichermaßen gut geeignet. Bevor ein größerer Vorrat angeschafft wird, beispielsweise in einer Verwaltung, sollte vorher intensiv ausprobiert werden. Ansonsten gibt es Frust und Ärger. So neigen Klebstifte zum Austrocknen, während andere Kleber Papier sehr stark und dauerhaft wellen. Auch unter dem Aspekt der Abfallvermeidung sollte ausgewählt werden, also: Produkte zum Nachfüllen oder mit Nachfüllpatronen vorziehen!

Im grafischen Bereich werden gerne Sprühkleber aus der Dose benutzt. Sie sind wahre ökologische Dreckschweine und sehr ungesund. Hier bieten sich Wachskleber als Alternative an. Gegen Klebepistolen, die im Heimwerkerbereich immer beliebter werden, scheint nichts einzuwenden zu sein. Spezialkleber wie Sekundenkleber und Zweikomponentenkleber sollten wirklich nur dann verwendet werden, wenn Klebestellen extremen Belastungen ausgesetzt sind.



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