Aktueller Stand des Windparkprojekts
(Stand 01.02.2025)

28.01.2025 Stellungnahme von BUND und NABU zur Endversion der FFH-Verträglichkeitsprüfung für das Gebiet Lammerskopf
BUND Steinachtal, BUND Heidelberg und NABU Heidelberg kritisieren die finalen Version des Gutachterbüros IUS Weibel & Ness als nicht rechtssicher
11.12.2024 BUND und NABU widersprechen dem Windkraft-Gutachten zum Plangebiet Lammerskopf
BUND Steinachtal, BUND Heidelberg und NABU Heidelberg antworten auf den RNZ-Artikel vom 5.12.2024 "Raum für mindestens 10 Windräder"
09.05.2024 Stellungnahme BUND zur Fortschreibung des Teilregionalplans Windenergie zum Einheitlichen Regionalplan
betreffend Vorranggebiet HD/RNK-VRG02-W (Lammerskopf)
Im März 2023 wurde durch die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) eine Ausschreibung von Flächen zur Pacht für die Errichtung von Windkraftanlagen im Gebiet zwischen den Kommunen Heidelberg-Ziegelhausen und Schönau gestartet.
Die Flächen sind Eigentum des Landes Baden-Württemberg und liegen hauptsächlich im Bereich nördlich des Weilers Hasselbacherhof in Schönau und in den Bereichen Münchel und Lärchengarten in der Kammlage zwischen Heidelberg und Schönau. Die Flächenaufteilung zwischen den Kommunen liegt bei ca. 400 Hektar Schönauer Gemarkung und ca. 200 Hektar auf Heidelberger Gemarkung. Die Gemeinde Neckargemünd überlegt sich zusätzlich mit einer eigenen kleinen Fläche zu beteiligen.
Die Ausschreibung durch ForstBW erfolgte in zwei getrennten Losen (siehe Karte), wobei der Zuschlag Mitte Oktober 2023 an ein lokales Bieterkonsortium ging, das aus den Stadtwerken Heidelberg, der Energiegenossenschaft Starkenburg, der Bürgerenergiegenossenschaft Kraichgau und der Heidelberger Energiegenossenschaft besteht (mehr Infos). Parallel wurden die Flächen durch die Stadt Heidelberg als Vorschlag für Vorranggebiete zur Errichtung von Windkraftanalagen in den "Teilregionalplan Windenergie" der Metropolregion Rhein-Neckar eingebracht.
Ob die Errichtung eines Windparks auch genehmigt wird, hängt von den Ergebnissen der Prüfverfahren zur Umweltverträglichkeit und der Regionalplanung ab.
Für die Begleitung der Verträglichkeitsprüfungen und der Projektierung wurde ein Projektbeirat eingerichtet. Der BUND Heidelberg und der BUND Steinachtal vertreten dort gemeinsam mit dem NABU Heidelberg die Interessen der Umweltschutzverbände.
Im Januar 2025 wurde die notwendige FFH-Verträglichkeitsprüfung abgeschlossen, bei der geprüft wird, inwieweit durch den FFH-Status geschützte Arten und Lebensräume durch Windenergieanalgen beeinträchtigt würden.
Die Stadtverwaltung Heidelberg hat eine sehr empfehlenswerte Übersicht zum laufenden Prüf- und Genehmigungsprozess veröffentlicht.
Naturschutzfragen zur Potenzialfläche
(Stand 09.05.2024)

Das vorgesehene Gebiet ist aus Sicht des BUND Heidelberg von hohem Wert für den Artenschutz, wegen unter anderem folgender Kriterien:
- Das gesamte Gebiet ist als Schwerpunktvorkommen windkraftsensibler Arten (Vögel und Fledermäuse) mindestens der Kategorie B ausgewiesen („hochwertig“). Im Nordosten teilweise auch als Kategorie A („sehr hochwertig“)
- Der größte Anteil der Fläche ist ausgewiesenes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat). Details hierzu sind im Managementplan für das FFH-Gebiet zu finden.
- Waldbiotope sind von der Potenzialfläche ausgenommen, jedoch liegen diese teilweise als "Inseln" innerhalb der Fläche oder grenzen direkt an diese an.
- Auf der Fläche befinden sich große Bereiche an FFH-Lebensraumtypen Waldmeister-Buchenwald und Hainsimsen-Buchenwald, zahlreiche Habitatbaumgruppen sowie einige Waldrefugien.
Eine detailierte Ansicht bietet die Übersichtskarte des Dialogforums Energiewende und Naturschutz (BUND & NABU BW): Regionalplanung Windenergie in Baden-Württemberg (Windenergie und Rhein-Neckar auswählen)
Das Konfliktpotential hinsichtlich Naturschutz, wurde auch schon 2015 im Teilflächennutzungsplan Windenergie des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim festgestellt.
Position des BUND Heidelberg
(Stand 09.05.2024)
Der BUND Heidelberg kritisiert die Ausschreibung von Windkraftflächen zwischen Heidelberg und Schönau durch ForstBW. Die Flächen liegen fast vollständig in einem wertvollen FFH-Schutzgebiet, das Teil des europaweiten Natura 2000-Netzwerks ist, und unserer Meinung nach nicht für Windkraft genutzt werden sollte. Alternative Flächen mit deutlich geringerem Konfliktrisiko für den Artenschutz stehen in Baden-Württemberg ausreichend zur Verfügung.
Grundsätzlich unterstützt der BUND den Windenergieausbau, da auch Baden-Württemberg dadurch einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der Klimaneutralität leisten kann. Voraussetzung ist jedoch dabei keine schwerwiegenden Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz zu verursachen. Schutzgebiete sind ihrem ökologischen Wert entsprechend zu meiden und Offenlandstandorte nach Möglichkeit Standorten im Wald vorzuziehen. Wir sehen jedoch auch die Notwendigkeit den Wald in die Flächensuche für den Windkraftausbau mit aufzunehmen, da Baden-Württemberg mit 38% Waldanteil ein vergleichsweise waldreiches Bundesland ist.
Wichtig ist für uns, dass Waldflächen bezüglich ihrer ökologischen Wertigkeit unterschieden werden: Wald ist nicht gleich Wald. Intensiv bewirtschafteter Forstwald mit Fichten-Monokulturen eigent sich naturschutzfachlich gesehen viel eher für Windkraftausbau, als ökologisch hochwertiger, alter und artenreicher Laub- und Mischwald. Einen Eingriff in ökologisch hochwertige Wälder ist naturschutzfachlich ungemein größer und daher schwieriger auszugleichen.
Aus der Klimaschutzstudie, die der BUND Baden-Württemberg beim Öko-Institut Freiburg in Auftrag gegeben hat, geht hervor, dass in Baden-Württemberg genügend Flächen mit ausreichender Winddichte und gleichzeitig akzeptabel geringem Konfliktrisiko zur Verfügung stehen. Wir fordern Politik und Verwaltung auf, die Flächensuchen entsprechend auszurichten.
Weitere Infos:
- 2024-05-09 Gemeinsame Stellungnahmen zum Gebiet Lammerskopf der BUIND-Gruppen Steinachtal, Neckargemünd und Heidelberg im Rahmen der Offenlegung des Teilregionalplans Windenergie der Verbandsversammlung der Metropolregion Rhein-Neckar
- 2023-12-08 Gemeinsamer Appell der Landesverbände von BUND und NABU Baden-Württemberg
Appell an die Verbandsversammlung der Metropolregion zur Fläche „Lammerskopf“ im Teilregionalplan Windenergie - 2023-07-26 Gemeinsame Pressemeldung der NABU und BUND Regionalverbände Rhein-Neckar-Odenwald :
Lammerskopf ideal für Artenhilfsprogramme - NABU und BUND fordern im Rahmen des Windenergieausbaus Flächen für notwendige Artenhilfsprogramme in Baden-Württemberg. Klimakrise und Biodiversitätskrise müssen gleichrangig und gemeinsam betrachtet werden - 2023-04-21 Gemeinsame Pessemeldung der BUND-Gruppen Heidelberg, Steinachtal und Neckargemünd
BUND-Gruppen lehnen Ausschreibung für Windparkprojekt im EU-Schutzgebiet zwischen Heidelberg und Schönau ab und fordern Alternativen - 2023-06-01 Rhein-Neckar-Zeitung 01.06.23 BUND hält Lammerskopf für "denkbar schlechtesten Ort" für Windpark
- 2022 Studie des BUND Baden-Württemberg: 100% klimaneutrale Energieversorgung – der Beitrag Baden-Württembergs und seiner zwölf Regionen - (siehe Kapitel 4.1.3 "Windenergie" / Seite 51 ff.)
Alternative Flächen in Baden-Württemberg

Die BUND BW Studie schlägt als Alternative zur bisherigen "Giesskannenstrategie" der Landesregierung vor, in Baden-Württemberg Flächen mit einem „hohen“ bzw. „sicheren“ Konfliktrisiko für windkraftsensible Vogelarten und Fledermäuse für die Installation von Windenergie auszuschließen. Die verbleibenden Potentialflächen entsprechen noch ca. 3,3 % der Landesfläche und sollten für die aktuellen Windkraftziele des Landes ausreichen.
Der Ansatz ist also statt einer gleichmäßig prozentualen Verteilung(1,8%) von Windkraftflächen auf alle Regionen eine schwerpunkthafte Verteilung zugunsten des Artenschutzes. Die daraus resultierende Herausforderung für die Politik ist uns bewusst, jedoch erfordert die globale Artenkrise ebensolche massiven gesellschaftlichen Anstrengungen wie die Klimakrise.
Artenschutz genauso wichtig wie Klimaschutz
Wir betrachten das Artensterben als nicht weniger wichtig, als die Klimakrise. Wenn kritische Kipp-Punkte für die Biodiversität erreicht werden, können unsere Nahrungsketten auf dem Spiel stehen, was katastrophale Konsequenzen haben würde. Ein zentraler Punkt des europäischen Artenschutzes sind dabei FFH-Gebiete, um die es auch im Fall des Lammerskopfs geht. Diese sind das Beste was wir in Europa haben, um Lebensräume systematisch auf breiter Ebene zu schützen.
- Klimakrise und Biodiversitätskrise beeinflussen und verstärken sich sogar gegenseitig. Auch wir befürchten, dass durch eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 3 oder 4 Grad viele Arten in ihrem Bestand gefährdet werden und vermutlich verloren gehen. Gerade im Rahmen des Klimawandels sind deshalb starke und große Biotope wichtig, weil diese resiliente Lebensräume darstellen, die sich voraussichtlich besser an den Klimawandel anpassen können, als klassisch bewirtschafte Flächen (siehe aktuell die sterbenden Fichtenbestände). Zudem speichern diese CO2, regeln den Wasserhaushalt und schützen gegen Erosion.
- Das System der europäischen Schutzgebiete ermöglicht auch Länder in die Pflicht zu nehmen, bei denen sehr wertvolle Lebensräume ansonsten "weggewirtschaftet" werden (Beispiel ist hier der Versuch die letzten europäischen Urwälder in Rumänien zu retten). Wenn wir jedoch selber die Regeln lax auslegen, können wir diese kaum von anderen einfordern.
- Das Aussterben einer Art ist fast unumkehrbar und dessen Folgen im komplexen Geflecht der Ökosysteme kaum abschätzbar. Wir müssen versuchen, dass akuelle massive Artensterben zumindest zu bremsen. Deshalb müssen wir achtsam mit der noch vorhandenen Artenvielfalt umgehen und dürfen diese nicht unnötigen Gefahren aussetzen, indem wir ohne Not Windkraftanlagen ausgerechnet in die naturschutzfachlich wertvollsten Gebiete bauen. Zudem gehen wir davon aus, dass wir die Schutzgebiete in ihren unterschiedlichen Kategorien benötigen, um den durch die Klimakrise besonders bedrohten Arten vernetze Rückzugs- und Ausweichgebiete anbieten zu können.
Informationen des BUND zur Windenergie
- Gemeinsame Position von BUND und NABU Baden-Württemberg 2023:
Naturverträglicher Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg - Baden-Württemberg-Studie 2022: 100% klimaneutrale Energieversorgung - (Kurzfassung)
- Übersichtskarte Windkraft & Naturschutz zur Regionalplanung Windenergie in Baden-Württemberg
- Dialogforum Energiewende und Naturschutz des BUND und NABU Baden-Württemberg
- BUND Deutschland: Position zum Thema Windenergie
Informationen zum Vergabeprozess von ForstBW
- Website: Allgemeine Informationen zu Windkraft auf staatlichen Waldflächen in BW
- 2023-05 Übersicht der Ausschreibungen für 2023
- 2023-05 Angebotsverfahren für die Vermarktung von Standorten im Staatswald zur Errichtung von Windenergieanlagen (aktueller Stand 2023-05)
- 2022-12 Angebotsverfahren für die Vermarktung von Standorten im Staatswald zur Errichtung von Windenergieanlagen